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Welche Aufgabe hat der heutige Terrorismus?

28. Dezember 2016
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– Gastbeitrag von Nikolai Starikov – Übersetzung von Konstantin E. –

Es gibt einige wichtige Punkte, die man verstehen muss, um das aktuelle Geschehen in der Welt richtig einzuordnen.

1. Es gibt heute keinen Konflikt zwischen den Zivilisationen des Westens und des Osten und auch keinen Konflikt zwischen dem Christentum und dem Islam. Aber es gibt ein Bestreben diese Konflikte zu schüren. Es gibt das Bestreben des Westens, alle anderen Zivilisationsprojekte zu schwächen (Russland, China usw.). 2. Es gibt keine „Koalition“, in der die „zivilisierte Welt“ mit dem so genannten „weltweitem Terrorismus“ kämpft. 3. Es gibt auch keinen weltweiten Terrorismus.

Aber was gibt es dann?

Es gibt eine Methode, mit der die USA und ihre engsten Verbündeten ihre Vormachtstellung in der Welt aufrechterhalten. Es gibt ein Instrument mithilfe dessen die Vereinigten Staaten ihre Konkurrenten schwächen. Dabei sind alle gemeint. Auch die, die formal zu ihren Verbündeten zählen – wie Europa. Diese Methode ist eben das Verüben von verschiedenen terroristischen Akten. Auf den Punkt gebracht – der Terrorismus. Nicht nur, dass es den Terrorismus für sich genommen nicht gibt, er wird auch noch sorgfältig finanziert, vorbereitet und im Interesse der Dominanz der USA gesteuert.

Allerdings hat der Terrorismus als politisches Mittel auf Länder Einfluss zu nehmen in den letzten Jahrhunderten eine gründliche Veränderung erfahren. Wenn noch vor hundert Jahren die Terroristen eine Änderung der (politischen) Handlungen der Regierung eines Landes zum Ziel hatten. So versucht heute keiner mithilfe des Terrorismus die Politik des einen oder anderen Landes zu „korrigieren“. Im Zuge der Veränderung der Taktik und der Mittel zur Kriegsführung im Atomzeitalter, hat sich auch die Taktik des Einsetzens von Terrorismus verändert.

Das Hauptanliegen ist nicht mehr Druck auf Regierungen auszuüben.

Das Hauptziel der heutigen terroristischen Anschläge ist das Bestreben die Handlungsunfähigkeit der Regierung des einen oder anderen Landes vorzuführen.

Das Informationszeitalter und die Informationskriege haben zur Veränderung des Zweckes des Terrorismus beigetragen.

Ein Lastwagen rast in eine Menschenmenge auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin. Die Unfähigkeit der deutschen Regierung ist [wirkt] offensichtlich. Die deutschen Behörden versuchen diesen Eindruck abzuwehren und die Handlungsfähigkeit der Regierung zu demonstrieren. Sind dabei aber etwas ungelenk. Die deutsche Polizei benötigt zwei Tage (!), um eine Fahndung nach einem Mann herauszugeben, der seine Papiere im Führerhaus des LKWs vergessen (!) hatte. Dann wird dieser als Täter ausgewählte Mann bei einer Polizeikontrolle in Mailand getötet. Das Attentat wurde also schnell aufgeklärt und der Täter seiner Strafe auch schon zugeführt! Es entsteht der Eindruck, dass um die Reputation wiederherzustellen und Handlungsfähigkeit zu zeigen, die deutschen Sondereinheiten nach jemanden gesucht haben, den sie als Täter „bestimmen“ und dessen Papiere sie unter dem LKW-Sitz „finden“ können. Daher auch die Pause von zwei Tagen…

Kehren wir wieder zu den am Anfang getätigten Aussagen zurück.

1. Es gibt heute keinen Konflikt zwischen dem Islam und dem Christentum. Es wird versucht diesen Konflikt aus geopolitischen Interessen zu entfachen; für sich genommen gibt es ihn nicht. Die nach Europa eingeführte Million von „Flüchtlingen“ bemühen sich fleißig, um Spannungen zu erzeugen. Zur gleichen Zeit sind in den USA keine Konflikte und auch keine Bruchlinie entlang des Islams und Christentums aufzufinden und zu beobachten. Die Konflikte entstehen genau dort, wo sie entstehen sollen, wo durch terroristische Anschläge die Handlungsunfähigkeit der europäischen Länder vorgeführt werden soll. Den Nährboden für die Konflikte gäbe es auf der ganzen Welt. In Erscheinung treten sie aber nur in genau definierten Bereichen: in Europa und im Nahen Osten. Es gibt auch Versuche die Konflikte in Russland anzufachen. Diese haben aber einen recht künstlichen Charakter. In Russland gab es  noch nie religiös motivierte Konflikte. Weder im Russischen Imperium, noch in der Sowjetunion. Man arrangierte sich friedlich, heiratete untereinander und achtete wechselseitig den Glauben und die Gebräuche. Auch in Europa gab es keine Konflikte zwischen Moslems und Christen, aufgrund der Abwesenheit der erstgenannten in solch einer großen Zahl. Aber nun „plötzlich“ lassen die europäischen Länder 1,5 Mio. Menschen hinein, fast ausschließlich muslimischer Herkunft. Die Begründung hört sich wie ein kindliches Gerede an: in Syrien ist Krieg. Und warum kommen dann nach Europa hunderttausende Afghanen, Pakistaner, Tunesier und Algerier? Ausgerechnet jetzt und ohne jegliche Papiere. Und was kurios ist – niemand wird zurückgeführt? Russen, die ein Visum nach Europa bekamen, wissen, dass es einer Schikane gleicht: verschiedene Bescheinigungen, Fingerabdrücke, keine angenehme Prozedur. Das ist die eine Seite. Und auf der anderen Seite sind Millionen Menschen gänzlich ohne Papiere. Wie ist das zu erklären? Die USA üben Druck auf Europa aus und zwingen sie die „Flüchtlinge“ aufzunehmen, mit denen auch der Terror nach Europa kommt. Europa wird schwächer, die Unfähigkeit ihrer Regierungen wird offensichtlich. Wer kann dann noch die „zivilisierte Welt“ beschützen und verteidigen? Nur Washington.

2. Da der Terrorismus ein Instrument zur Verwirklichung der Politik der USA und der Ziele von Washington ist, ist es augenscheinlich, dass die Vereinigten Staaten den Terrorismus nicht in dem Ausmaß bekämpfen, dass er wirklich an der Wurzel angepackt wird. Kämpfen werden sie schon, oder genauer gesagt, sie werden den Kampf imitieren. Und das sehen wir am Fall Syrien. Es gibt zwar eine Koalition unter der Leitung der USA, aber Ergebnisse dieses Kampfes gibt es nicht. Zwei Jahre, alles umsonst. Russland tritt ein und verändert völlig die Situation. Die ISIS und andere politische Werkzeuge der USA erleiden Verluste und treten den Rückzug an. Was ist die Reaktion darauf seitens der Vereinigten Staaten? Steine in den Weg legen. Ständiges Wüten und Klagen darüber, dass die russische Luftwaffe falsch bombardiere; am falschen Ort, die falschen Leute. Obwohl die Befreiung Aleppos ein Fakt ist. Und die „Koalition“ hat Mossul im Irak noch nicht befreien können. Wir dürfen nicht vergessen, dass im Kampf Russlands gegen die Terroristen die USA auf der Seite der Terroristen stehen.

„Der weltweite Terrorismus“ ist ein imposanter Ausdruck, der jedoch keine Substanz aufweist. Der Terror ist ein Werkzeug im Kampf auf der Ebene der Informationen. Es ist ein schreckliches aber ein effektives Werkzeug. Und bekannterweise muss man das Pferdchen, auf dem man reitet hegen, pflegen und füttern.

Der Kampf in Syrien verläuft nach denselben Regeln. Erinnern Sie sich noch an die groß angelegten Terroranschläge am Anfang des Chaos in Syrien? Explosionen von Autobomben mit einer großen Anzahl von Opfern. Warum gab es sie damals und warum gibt es sie heute nicht mehr? Weil zwei bis drei Jahre zuvor, war das eine Möglichkeit der syrischen Bevölkerung die Unfähigkeit der Assad-Regierung zu „kommunizieren“, woraus die Notwendigkeit erwachsen möge, diese Regierung abzusetzen. Nun tobt ein harter Krieg, wo die Ermordung von 20 weiteren unschuldigen Zivilisten in Damaskus keinerlei informationellen Gehalt hätte. Auch weil die Handlungsfähigkeit der syrischen Regierung durch Russlands Hilfe unterstützt wird. Und durch die Einnahme von Palmyra und Aleppo.

Wer war gegen Assad? Wer beteuerte „Assad muss weg“? Washington. Und doch konnte die syrische Regierung Erfolge vorzeigen. Also:

1. Die Handlungsfähigkeit der Regierung von Baschar al-Assad wurde bekräftigt. 2. Die Handlungsfähigkeit von Russland wurde bekräftigt. 3. Die Handlungsunfähigkeit der USA wurde bekräftigt.

Dieser Blickwinkel hilft uns die Ereignisse um Syrien zu verstehen. Das Sichern der Regierung von Assad ist das vollständige Scheitern der Vereinigten Staaten, denen es nicht gelang ihr Programm in Syrien und damit auch in der Region und damit auch in der Welt durchzudrücken. Denn die Vereinigten Staaten sind die stärkste Supermacht. Sie können nicht zulassen, dass ihr Scheitern offenkundig wird und handeln durch die Hände der Terroristen. Jeder Erfolg ihrerseits ist das Versagen von Assad und Russland.

Sofort nach der Befreiung Aleppos von den Terroristen leiten sie den nächsten Angriff ein und nehmen wieder Palmyra ein. Welchen Sinn macht es aus militärischer Sicht? Um militärische Überlegungen geht es hier nicht. Es geht um einen Informationskrieg. Die Vereinigten Staaten müssen unbedingt die Unfähigkeit Russlands demonstrieren. Die Operation um das Einnehmen dieser Stadt durch Syrische Hände und das dortige Konzert des Gergiev ist nicht nur ein militärischer Erfolg. Da der Krieg auf der Informationsebene geführt wird, ist das eine mächtige Konstatierung der russischen und syrischen Fähigkeiten. Deshalb erfolgt der Gegenangriff durch die Hände der Terroristen genau in Palmyra. Die Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei ist [unter anderem] auch ein Versuch das Unvermögen der russischen Regierung darzustellen.

Jedes Ereignis, das auf der Ebene der Information über die Schwäche der Russen „schreit“, ist ein „Beweis“ des russischen Versagens; da man es durch die entsprechende Brille betrachtet, die zu eigenem Gunsten ausfällt. Diese Brille möchten unsere amerikanischen „Partner“ bevorzugt wissen. Es ist also nicht nur der Tod eines russischen Soldaten in Syrien, nicht nur ein abgeschossener russischer Hubschrauber.

Es ist auch… Es ist auch die Ermordung des russischen Botschafters. Es ist auch die Tragödie um das russische Militärflugzeug in Sotschi, das unterwegs nach Syrien war.

Unsere wichtigste Aufgabe ist es diese tragischen Ereignisse gründlich zu untersuchen. Wir müssen das Wesentliche herausfinden: waren das wirklich unglückliche Fügungen, oder hat derjenige, der einen informationellen Nutzen dadurch erfährt, der seine Handlungsfähigkeit erhöht, indem er unsere herabsenkt, die dafür nötigen Schritte unternommen. Damit Tragödien zu Tragödien wurden.

Nikolai Starikov (26.12.2016)

Ursprungsartikel (übersetzt von Konstantin E.): https://nstarikov.ru/blog/73393

Zum Autor: Nikolai Starikov ist ein russischer Schriftsteller, Publizist und politischer Aktivist. Er ist Autor von 15 Büchern über politische, gesellschaftliche und geschichtliche Themen, welche zumeist sehr kontrovers diskutiert werden und beispielsweise in der Ukraine verboten sind. Er bezeichnet sich dabei selbst als patriotisch-konservativ und unterstützt die Politik Wladimir Putins.

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